Dies ist eine Blogantwort auf die Frage: „Wo ist die Zukunft hin in Sachen Medien?“ oder anders gefragt: „Wie sieht die Zukunft der Medien aus.“ Dazu wurde einiges Diskussionmaterial mitgeliefert. Den ursprünglichen Eintrag findet ihr hier.

Ich möchte gern auf das sehr eindrucksvolle und interessante Video zur Eröffnung einer Kampagne von netzfeuilleton.de eingehen und dabei meine eigenen Ideen zum Ausdruck bringen.


Gleich zu Anfang im Video die einfache und spannende Grundaussage, dass die Zukunft der Medien ins Internet gegangen ist. Das stimmt. Das Internet macht ganz neue mediale Erfahrungen möglich, dazu später mehr. Darüber hinaus aber ist das Internet nicht die Zukunft der Medien: Meiner Meinung nach, gehen die Medien selbst ins Internet und machen es sich zu Nutze. Das ist zwar nur ein hauchfeiner Unterschied in der Formulierung, aber mit bedeutenden Auswirkungen.

Wie Alex Boerger im Video darauf hin ausführt, werden die Massenmedien, also „einzelne Absender die hunderttausende erreichen“ im seltener, während die Unterhaltung der Menschen in Zukunft hauptsächlich von diesen hunderttausenden privaten Absendern kommen wird. Die Möglichkeiten des Netzes könnten soweit ausgeschöpft werden. Ein aufregender Gedanke, denn ich aber nicht teilen kann. Denn am Massenmedium Fernsehen beispielsweise hängen ganze Branchen. Vor allem der Unterhaltungssektor im Fernsehen bindet das Eventmanagement, Werbebranche sowie Musikbusiness. Wie stark das Internet auch immer die Kreativität und den „Mitmach“-Gedanken fördert, diese erdrückende „Übermacht“ wird nicht kleinzukriegen sein.

Ich will an dieser Stelle sogar so weit gehen zu behaupten, dass das Massenmedium Fernsehen, und insbesondere dessen Unterhaltungsformate in Zukunft ihre Rolle noch vergrößert sehen werden. Es geht mir dabei nicht um Millionenproduktionen und Mega-Shows wie „Wetten, dass…?“ und/oder ähnliches. Diese werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bald zu richtigen Ausnahmen werden. Ich denke an Spielfilme, kleinere Shows sowie Comedy-Formate und Sportveranstaltungen. Wenn wir uns die beiden letzten Beispiele ansehen haben wir die beiden Vielversprechendsten Programme für die Zukunft. Denn wie Alex Boerger sagt, verbringen wir weniger Zeit vor den TV. Aber wir wollen trotzdem lachen. Deswegen wird es wieder mehr flotte Satire und Comedy geben. Die heute-show macht es vor. Ich denke da auch an künstlerische Meisterwerke wie Monty Python’s Flying Circus die uns richtungsweisendes vorgeben. Sport ist und bleibt wichtig. Möglicherweise wird auch das Fernsehen zusammen mit einer entsprechenden technischen Entwicklung und mit Unterstützung des Internets zur „Mitmach“-Plattform. Was wir in Sachen Smart-TV noch zu erwarten haben, können wir beim besten Willen noch nicht sagen.

Das folgerichtige Zukunftsszenario ist: „Was ist wenn Zeitungen und Medienhäuser verschwinden?“. Daraus entwickelt Jannis Kucharz eine beachtliche Utopie, dass wir die Meldungen der Nachrichtenagenturen auf einer Quelle gesammelt abrufen könnten und dann als Blogger und User uns damit auseinandersetzen. Damit wären Themen die uns bewegen genauso aufgearbeitet. Und dass „natürlich viel effizienter“. Die direkte Antwort darauf: „Was motiviert sie?“ Oder anders: Verrichtet ein leidenschaftlicher Blogger dieselbe Arbeit wie ein studierter Journalist? Ich halte von dieser ausgesprochen märchenhaften aber unrealistischen Vision nichts. Auch wenn einzelne Plattformen wie Wikipedia zeigen, dass sich Leute dafür begeistern können sich mit einem bestimmten Thema zu beschäftigen, so glaube ich nicht, dass man die ganze Breite der Gesellschaft mit einem solchen Modell erreichen könnte.



Verlage und Medienhäuser, auch die Printmedien, sind ungeheuer wichtig. Auch wenn man den Druck schon längst zu Grabe getragen hat wird er sich behaupten. Denn, um Russel Crowe in „State Of Play“ zu zitieren: Manche Stories muss man einfach mit Druckerschwärze in der Hand lesen. Die Nachrichten der Zukunft wird es ebenso auf Papier wie auch im Internet geben. Der Druck wird aber zu einer Nische werden, wir werden weniger Zeitungen haben, dafür mehr journalistische Magazine mit ausgedehnteren Reportagen. Die Verlagshäuser wie SPIEGEL und FAZ werden sich mit ihren großen Budgets im Internet breiter machen und neue Möglichkeiten finden, ihre Informationen zu präsentieren. In Ansätzen macht das SPIEGEL Online bei Hintergrundwissen schon sehr gut.

Das wir in Zukunft mehr Blogs haben werden, die auch Sponsoren finden, halte ich für gut und richtig. Wir müssen uns in die Richtung entwickeln, dass sich die politische Bildung in der Gesellschaft weiter ausbreiten kann. Blogger sollten sich in Zukunft von den Nerd-Themen weg, hin zu gesellschaftlich und politisch relevanten Bereichen bewegen. Was das Netz erreichen kann, wenn es die richtigen Themen aufgreift sahen wir letztes Jahr in Nordafrika.

Das Modell, dass die Unternehmen den Journalismus für ihren gesonderten Bereich aufgreifen ist wiederum sehr gut. Dabei muss man darauf achten, dass man transparent bleibt und Werbung von Inhalten zu trennen weiß. Wenn das im Großen und Ganzen gelingt bin ich mir sicher, dass das gelingen kann. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob man hier alle Rubriken der Nachrichtenseiten von heute abdecken könnte. Wer berichtet über Kunst und Kultur, Bereiche wie Theater, die sehr stark zum Leben in Deutschland beitragen und ebenso stark von Medien abhängig sind. Außerdem sehe ich noch nicht wer dann über die wissenschaftlichen Themen berichtet. Kein Labor zwackt gern etwas von seinem Budget für die Verbreitung seiner Forschungsergebnisse ab. Aber die Idee ist außerordentlich gut. Die Einwände der fehlenden Unabhängigkeit kommen dann natürlich zum Tragen. Die Unabhängigkeit der Medien ist der nächste große Punkt, der angegangen werden will.

Ich sehe aber die aktuelle Situation nicht so schwarz wie es im Gespräch rüber kommt. Nicht überall haben Großkonzerne und Parteien ihre Finger im Spiel. Der Journalist in Deutschland kann sich frei bewegen und kann auch über das Schreiben, was und wie er es will, denke ich. Auch wird vor allem politische Berichterstattung nicht nur von den großen Agenturen und Häusern getragen, sondern ist auch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen an Universitäten usw. Große Ungerechtigkeiten und Stories kommen in Deutschland ans Licht, da bin ich mir sicher. Egal wer wen unterstützt. Diese Freiheit ist kostbar und wird in Zukunft noch kostbarer werden. Deswegen muss die Unabhängigkeit ausgebaut werden, wie im Video richtig angemerkt. Dass da auch viel Schrott berichtet wird, muss jedem klar sein. Aber diese Fülle an Informationen macht die Medienlandschaft unserer modernen Zeit so spannend. Wir müssen uns dieses Informationsüberangebot bewahren. Wissen ist Macht. Und auch unnützes Wissen trägt zu dieser Macht bei. Der Bürger ist mündig genug das auszufiltern, was ihn am meisten interessiert und was generell am wichtigsten ist.

Der Abschluss von Alex Boerger ist für mich das beeindruckende am Video: Die schiere Unfassbarkeit des Themas in Worte zu fassen ist ihm gelungen. Deswegen ist auch meine Antwort auf die Frage „Wie sieht die Zukunft der Medien aus?“ mehrteilig:

„Lassen wir uns doch überraschen!“ „Die Medien werden sich genauso entwickeln wie der Rest der Gesellschaft: Individueller, freier, transparenter, technisierter.“ „Die Medien werden aber im Kern so bleiben wie sie sind. Und das ist auch gut so.“ „Der Buchdruck, und damit die Entwicklung des Journalismus und der Medien war die größte Erfindung aller Zeiten. Wir werden nie wieder eine solche Erfindung machen. Deswegen sollten wir erst gar nicht versuchen die Medien zu verändern.“

 

Benjamin

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