Twitteratur: Aphorismen kann jeder!

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Buchhandlungen sind nicht tot. Also nicht, wenn es nach mir geht. In Buchhandlungen findet man immer so allerlei. Stöbern, Suchen, Finden; das ist auf Amazon oder anderen einschlägigen Seiten, die die schönen Aufenthalte in Buchläden kaputtzumachen scheinen, ein knochentrockenes Klickgeschäft. So ein Wühltisch oder eine Auslage, vielleicht sogar mit “Mängelexemplaren”, kann so leicht nichts ersetzen.

Mängelexemplare. Ein unschönes Wort, Bezeichnung für die hässlichen Entlein der Verkaufsfläche. Dabei muss es in einem Buch nur ein paar Druckfehler geben, vielleicht ist der Einband ein bisschen gekratzt, gequetscht, wellig. Die Mängel bei Mängelexemplaren sind wirklich moderat. Trotzdem werden sie für einen Bruchteil des Normalpreises verkauft, der auch nur ein Bruchteil dessen ist, was sie eigentlich wert sind. Da kriegt man dann Kleinode, Bücher für zwei, drei, vier Euro. Und tolle Bücher. Wie meine neueste Errungenschaft: “Es lebt der Mensch, solang er irrt: Deutsche Aphorismen*” Ein kleinformatiges Buch mit etwas über 300 Seiten. Gegliedert in deutsche Dichter, Denker, Philosophen und Soziologen. Inhalt: Kurze Aussprüche, literarische Stücke von kaum mehr als drei oder vier Sätzen, die man wohl abfällig als “Weisheiten” bezeichnen könnte, die im Kern aber Kunst sind. Wikipedia sagt zum Begriff “Aphorismus”:

Ein Aphorismus ist ein philosophischer Gedankensplitter, der üblicherweise als kurzer, rhetorisch reizvoller Sinnspruch (Sentenz, Aperçu, Bonmot) formuliert und als Einzeltext konzipiert wurde. Keine Aphorismen aus literaturwissenschaftlicher Sicht sind dagegen geflügelte Worte und pointierte Zitate.

Erst seit dem frühen 20. Jahrhundert werden Aphorismen als eigenständige Prosagattung anerkannt und erforscht. Sie gelten als widersprüchliche Textform:
In der Tendenz eher nichtfiktional, sind sie sowohl der Literatur als auch der Philosophie zuzuordnen.
Die Tragweite ihrer Aussage kontrastiert mit ihrer Lakonik. Oft bestehen sie aus nur einem – mitunter elliptischen – Satz, können aber durchaus mehrere Sätze umfassen. Eine klar definierte „Obergrenze“ wird von Literaturwissenschaftlern mehrheitlich abgelehnt. Der Übergang zum „großen Bruder des Aphorismus“, dem Essay, ist fließend.
Typischerweise formulieren Aphorismen einen geistreichen, betont subjektiven Gedanken. Beispielsweise enthalten sie ein originelles Werturteil, eine persönliche Erkenntnis oder Lebensweisheit, erheben aber schon durch ihre bevorzugten Sujets (Moral, Philosophie, Psychologie, Ästhetik, Politik, Sprache u. a.) den Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Durch ihre Kürze wirken sie auf manche Leser apodiktisch. Demgegenüber steht die häufig (selbst)ironische und paradoxe Form der aphoristischen Aussage. Manche Aphorismen kommen dem spontanen Widerspruch ihrer Rezipienten zuvor, indem sie ihn zum Thema machen (Selbstreferenz).

Schön finde ich hier den Begriff “Gedankensplitter”. Beim Lesen der Texte erhält man einen seltsamen, fragementartigen Eindruck. Oft erkennt man einen Kontext erst im zweiten Eindruck, die meisten Aussprüche stehen für sich selbst. Es sind meist einfach nur Einfälle. Einfälle, die man niederschreiben musste. Anders als große literarische Werke erschafft der Aphorismus keine Gedanken- oder Gefühlswelt, sondern öffnet ein kleines Fenster, schenkt ein “Aha!”, ein Kopfschütteln oder ein Lächeln.

Wichtig ist: Aphorismen sind per Definition relativ kurz. Wie kurz traut sich keiner zu sagen, aber irgendwann wirds ein Essay. Als “Gedankensplitter” kann der Aphorismus keinen ganzen Gedanken umfassen. In der Kürze liegt die Würze. Oder, wie Jean Paul sagen würde:

Sprachkürze gibt Denkweite

Das war schon ein Aphorismus. Es sind solche Wortspiele mit tieferem Sinn, die vor allem herausstechen. Die Aphorismen im Büchlein sind aber so vielfältig, so ganz und gar nicht in ein Muster zu stecken. Sie stehen geradezu wild durcheinandergewürfelt da, einer ohne Bezug zum anderen, jeder für sich, jeder spannend, interessant, schön, wunderbar. Man liest und kommt sich vor als ob…ja als ob man seine Twittertimelime herunterscrollen würde. Read More

Das Bücherbüffet: #bbka13 vs. #fbm13. Der kurze Messenvergleich eines Neulings. Teil 3.

Seit dem letzten Post am 2. November (sic!) ist es eindeutig zu ruhig geworden in Sachen Blogpflege. Der Grund dafür ist, dass ich an einem fantastischen Projekt mitgewirkt habe: In der Stadthalle Hockenheim feierte am 8. November eine Inszenierung der Dreigroschenoper Premiere. Dazu erstellten wir von der Licht- und Bühnentechnik nicht nur die passenden Lichstimmungen mit Theaterlampen und LED, eine Einlassstimmung mit echtem London-Haze und blauem Mond und orangenem Straßenlaternenlicht; nein, als Krönung entstand noch eine virtuelle Rundbühne, auf der die animierten Kulissen auf eine rießige 12x4m Leinwand mit zwei Hochleistungsbeamern projiziert wurden. Alles in allem eine atemberaubender Technikaufwand und eine wahnsinnig schöne Show. Einen eigenen Beitrag dazu werde ich bei Interesse vielleicht verfassen.

Die Pause bei takeyourapple hat also hauptsächlich damit zu tun, dass die erste Novemberwoche von nichts anderem bestimmt war als tage- und nächtelang Bühnenaufbauten zu machen und Lampen einzuleuchten. Die zweite Novemberwoche war dann davon bestimmt, den Alltag wieder zu ordnen und alles, was eine Woche lang liegen geblieben war, aufzuarbeiten. Jetzt bin ich aber wieder live hier dabei mit dem etwas kürzer gehaltenen dritten Teil der Bücherbüffet Reihe. Teaser:

Während es im weltweiten Zwischennetz nur so von Frankfurter Buchmessen aka #fbm13 Reviews wimmelt, will ich mich lieber einer weitaus spannenderen Messe widmen. Das Bücherbüffet in Karlsruhe ist die Messe für Kleinverlage und Autoren, mit kleiner Auflage aber umso größerer Bandbreite. Dem Bücherbüffet will ich eine eigene, kleine Serie widmen. Zunächst ein Überblick über meinen Messetag, ein Vergleich mit der Frankfurter Buchmesse, eine Analyse, welche die Innovativität solcher Veranstaltungen hervorhebt. Zuletzt wird es demnächst ein Interview mit Sonia Lauinger, Verlegerin aus Karlsruhe und einer die Intiatorinnen des Bücherbüffets geben. Man darf gespannt sein.

Teil 3: Lassen Sie mich durch, ich bin neu! Unvoreingenommene Eindrücke, große kleine Hallen und ganz wenig Übersicht.

Aufgabe: Vergleiche die geschilderten Ereignisse aus Text A und Text B miteinander. Benutze dafür die Informationen, die dir zur Verfügung stehen und wende gegebenenfalls auch dein eigenes Wissen an. Verfasse eine Einleitung und komme am Ende deines Vergleichs zu einem Fazit, welches die wichtigsten Erkenntnisse deines Vergleichs nochmal hervorhebt. Gliedere deine Arbeit sorgfältig in verschiedene Aspekte, die du vergleichen willst.

So oder so ähnlich hätte es in der Schule geheißen, wenn ein Gymnasiast der siebten oder achten Klasse im Deutschunterricht einen Vergleich zu einem bestimmten Thema hätte schreiben sollen. Also machen wir das doch mal. Vergleichen wir die Frankfurter Buchmesse und das Karlsruher Bücherbüffet. Read More

Das Bücherbüffet: Geschichten, Ideen und verdammt runde Sachen. Teil 2.

Während es im weltweiten Zwischennetz nur so von Frankfurter Buchmessen aka #fbm13 Reviews wimmelt, will ich mich lieber einer weitaus spannenderen Messe widmen. Das Bücherbüffet in Karlsruhe ist die Messe für Kleinverlage und Autoren, mit kleiner Auflage aber umso größerer Bandbreite. Dem Bücherbüffet will ich eine eigene, kleine Serie widmen. Zunächst ein Überblick über meinen Messetag, ein Vergleich mit der Frankfurter Buchmesse, eine Analyse, welche die Innovativität solcher Veranstaltungen hervorhebt. Zuletzt wird es demnächst ein Interview mit Sonia Lauinger, Verlegerin aus Karlsruhe und einer die Intiatorinnen des Bücherbüffets geben. Man darf gespannt sein.

Heute – endlich – der zweite Teil, mit meinen ganz eigenen, analysierenden Gedanken, die sich weniger aus Professionalität und Erfahrung speisen, sondern viel mehr durch meinen subjektiven Eindruck und teilweise Leidenschaft geprägt sind. Dabei will ich, vor allem, auf das Crowdfunding blicken. Aber das seht ihr ja gleich selbst.

Teil 2: “Klein” heißt nicht “wenig” und “der Schwarm” ist nicht unbedingt ein Buch von Frank Schätzing

Im letzten Teil habe ich ziemlich unstrukturiert einfach mal berichtet und Meinung abgegeben. Jetzt will ich, in Blog-Manier (die ich oft nicht verfolge, weil es mir einfach nicht gefällt), anhand von Aufzählung und Zwischenüberschriften die vielfältigen Punkte aufschlüsseln, die ich genauer betrachten und reflektieren will. Ich halte das dann auch manchmal etwas allgemeiner. Read More

Das Bücherbüffet: Die kleine, wunderschöne Schwester der Frankfurter Buchmesse. Teil 1.

Während es im weltweiten Zwischennetz nur so von Frankfurter Buchmessen aka #fbm13 Reviews wimmelt, will ich mich lieber einer weitaus spannenderen Messe widmen. Das Bücherbüffet in Karlsruhe ist die Messe für Kleinverlage und Autoren, mit kleiner Auflage aber umso größerer Bandbreite. Dem Bücherbüffet will ich eine eigene, kleine Serie widmen. Zunächst ein Überblick über meinen Messetag, ein Vergleich mit der Frankfurter Buchmesse, eine Analyse, welche die Innovativität solcher Veranstaltungen hervorhebt. Zuletzt wird es demnächst ein Interview mit Sonia Lauinger, Verlegerin aus Karlsruhe und einer die Intiatorinnen des Bücherbüffets geben. Man darf gespannt sein.

Aber jetzt erst einmal zurücklehnen und mittels meiner Beschreibungen einen kurzen Einblick in die Atmosphäre in den Messefreitag, den Netzwerktag, erhalten. 

Teil 1: Bücherkunst und AutorenhilfeIMG_2080-1

Und wieder Zug fahren. Die Öffis werden langsam mein zweites Zuhause. Mit der Straßenbahn ist das Gelände des “Alten Schlachthofs” in Karlsruhe gut zu erreichen. Neben unterschiedlichen Locations wie das Tollhaus befinden sich diesem kleinen Distrikt auch die Fleischmarkthalle. Dort, auf Turnhallengröße, sind die Stände der Verlage, eine Bar, eine kleine Bühne und viele Sitzgelegenheiten aufgebaut. Das Bücherbüffet. Read More

Flüchtlingsdrama. Ein Besuch einer Ausstellung des 5. Fotofestivals MA-LU-HD.

In der Straße von Sizilien waren bereits in der Nacht zum Freitag mehr als 500 Flüchtlinge in Seenot gerettet worden. Erst am Donnerstag vergangener Woche war ein Boot mit Flüchtlingen aus Somalia und Eritrea vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa verunglückt. Dabei waren mehr als 300 Menschen ertrunken. Das Militärschiff Cassiopea soll die Särge der Todesopfer von Porto Empedocle aus in die italienischen Gemeinden bringen, die sich bereit erklärten, Gräber zur Verfügung zu stellen.(…)[Quelle: Süddeutsche.de "Wir machen unser Mittelmeer zum Friedhof" vom 12.10.13] 

Absätze, Meldungen wie diese sind in der letzten Zeit an der Tagesordnung. Die Schicksale der Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten, die sich unter Lebensgefahr in eine unsichere und doch erstrebenswerte Zukunft in Europa flüchten wollen, weit weg von Hunger, Unterdrückung, Krieg und Tod beschäftigt die Öffentlichkeit so sehr wie lange nicht.

Am Freitag war die Meldung vom erneuten Flüchtlingsunglück noch ganz frisch als ich mich aufmachte zur Kunsthalle Mannheim, einer der Ausstellungsorte des 5. Festivals Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg. Das Festival gibt mit dem Titel “Grenzgänge” eine Leitlinie vor, an der sich die acht Galerien und Museum äußerst kreativ orientieren. Aber vor allem das, was in Mannheim zu sehen ist, ist angesichts der Nachrichtenlage beklemmend aktuell. Read More